Diplom-Ingenieur (FH) Landespflege Holger Weichhan

Beweidungsprojekt Weinbergwiese

Unsere Wasserbüffel werden zur Landschaftspflege eingesetzt. Aufgrund ihrer körperlichen Voraussetzungen sind sie für die Nasswiesen-Beweidung problemlos einsetzbar.

Dies spielt auf den immer stärker vernachlässigten Feucht- und Nasswiesen in unserer Region, der Parthenaue, eine große Rolle. Im Jahr 2005 wurde ein Beweidungsprojekt zur Nasswiesen - Pflege gemeinsam mit der Stadt Taucha und dem Zweckverband Parthenaue gestartet. Hier wird eine Biotopfläche mit den Wasserbüffeln beweidet.

Die Weinbergwiese selbst ist als §26-Biotop laut SächsNatSchG ausgewiesen und befindet sich im FFH-Gebiet. Damit ist eine naturschutzkonforme Nutzung/Pflege verbunden. Die Wiese ist stark vernässt und konnte in den letzten Jahren nicht mehr gemäht werden.

Naturschutzfachlich ist der Erhalt der Offenlandbereiche der Parthenaue erwünscht. Ihr Erhalt und ihre Entwicklung besitzen eine hohe Bedeutung für die heimische Flora und Fauna. Weiterhin stellen artenreiche Nasswiesen in Deutschland stark gefährdete Lebensräume dar. Die Weinbergwiese mit ihren Vorkommen an typischen Naß- und Feucht-wiesenpflanzen ist dafür prädestiniert.

Bisher fehlt für die Wiese eine Pflege- bzw. Nutzungskonzeption, vor allem weil eine Mahd der Fläche aufgrund der starken Vernässung nur schwer möglich ist. Eine Nutzung des Mahdgutes als Futter für traditionelle Haustiere scheidet infolge der Vernässung sowie der Artenzusammensetzung aus.
Die historische Entwicklung von Wiesen in vernässten Bereichen war bedingt durch Handmahd unter hohem Arbeitskräfteeinsatz. Nur die Weiterführung einer, an historische Nutzungsformen angepassten, Bewirtschaftung kann solche Kulturbiotope erhalten.
Ebenso deuten immer mehr wissenschaftliche Untersuchungen auf ein eher waldfreies, nacheiszeitliches Mitteleuropa hin, da von einem die Landschaft prägenden Bestand an Großweidetieren ausgegangen wird.

Wasserbüffel eignen sich außerordentlich gut für die Beweidung von nassen und mit minderwertigem Futter bestandenen Flächen. So unterscheidet sich ihr Verdauungstrakt vom Rind, so daß rohfaserreiches Futter, wie Seggen, Binsen, Schilf und selbst Äste und Zweige noch bestens verwertet werden. Brennesseln und Disteln werden ebensowenig verschmäht. Wasserpflanzen werden bis in 2 Meter Tiefe abgeweidet, da Büffel sehr gute Schwimmer sind und ausgiebig tauchen können. Ihrer Herkunft folgend ist ein Leben auf nassen Böden oder im Wasser ohne Bedeutung für die Tiergesundheit.
Mehrere Beweidungsprojekte aus Niedersachsen, aber auch aus Limbach-Oberfrohna verdeutlichen den überaus praktischen Nutzen von Wasserbüffeln als Landschaftspfleger. Verluste bei den Wiesenbrütergelegen sind selten. Durch das Graben von Suhlen bzw. den Erhalt von Wasserlöchern werden Laichgewässer für Amphibien geschaffen und erhalten.
Eine Entwicklung des Laiches ist dabei gesichert, da die Büffel erst bei hochsommerlichen Temperaturen diese Wasserlöcher aufsuchen. Mit der Beweidung der Weinbergwiese soll für die Region beispielhaft die Kombination von landwirtschaftlicher Wertschöpfung und einer naturnahen Landschaftspflege dokumentiert werden. Es sollen Möglichkeiten einer extensiven Wiesenbewirtschaftung gefunden werden, die auf weitere Flächen übertragen werden können.

Ähnliche Projekte in verschiedenen Regionen Deutschlands verliefen bisher in positiver Entwicklung. Ein gelingen des Projektes könnte wegweisend für eine Revitalisierung der Auen im Leipziger Land sein.

Naturschutz soll in diesem Fall weder Geld noch Arbeitskraft kosten, sondern Werte in Form von landwirtschaftlichen Produkten schöpfen.

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